Konzert vom 20.07.08

Seit 30 Jahren besteht die Evangelische Singgemeinde an der Lukas- und Markuskirche in Weinheim. Das Ereignis wurde unter dem Dirigat von Martin Lehr am Sonntag in der Markuskirche mit einem Konzert gewürdigt. Bild: Gutschalk

mit freundlicher Genehmigung der Weinheimer Nachrichten veröffentlichen wir den Bericht vom 22.07.08. zu unserem Konzert.

Konzert: Evangelische Singgemeinde Weinheim

Heidelberger Kantatenorchester und Solisten brillieren in der Markuskirche Im 30. Jahr dem jungen Bach gewidmet

Außerhalb des vorgegebenen Weinheimer Programms „Kultur im Sommer“ erlebten Freunde klassischer sakraler Musik am Sonntag ein außergewöhnliches Konzert in der Markuskirche. Initiator dieses Musikereignisses war Martin Lehr, der die Evangelische Singgemeinde an der Lukas- und Markuskirche Weinheim leitet. Es war ein „Jubiläumskonzert“, denn die Singgemeinde wurde vor 30 Jahren gegründet. Gäste bei diesem Jubiläum waren der Organist Harald Fath, das Heidelberger Kantatenorchester und die Solisten Gabriele Thielitz (Sopran), Kirsten Schwarz (Alt), Christoph Mahla (Tenor) und Walter Henzel (Bass).
Spürbare Leidenschaft
Martin Lehr hatte drei Orgelwerke und drei Kantaten aus dem Frühwerk von Johann Sebastian Bach ausgewählt. Gerade die Kompositionen des jungen Bach zeigten auf, mit welcher Hingabe und Leidenschaft Bach später seine großen Chor- und Orchesterwerke, aber auch seine kammermusikalischen Kompositionen und Klaviermusik schuf. Schon diese kleineren sakralen Beispiele ließen den ungeheuren Reichtum musikalischen Schaffens erkennen und machten auch Bachs Willen, die Botschaft des Herren in Töne zu fassen, deutlich.
Das klang bereits im „Präludium und Fuge C-Dur“ mit dem gewaltigen polyphonen Auftakt und dem ständigen Wechsel zwischen Pedal- und Manual-Segmenten an. Auch der Schein der Improvisation bei dem „Präludium und Fuge e-Moll“ mit dem häufig streng gegliederten Rhythmus findet man in späteren Kompositionen wieder. Bei der kleinen „Fantasie C-Dur“ bleibt Bach seiner Neigung zu herrlichen polyphonen Harmonieläufen treu. Harald Fath formte die drei Orgelwerke sowohl bei den machtvollen Akkorden als auch bei ergreifenden Piano-Klängen und vor allem bei dem Wechsel sprudelnder Bass- und Manualpassagen zu tragenden Bestandteilen dieses Konzertprogramms.
Manche Besucher in der nahezu vollbesetzten Markuskirche waren wohl überrascht von der Größe der Evangelischen Singgemeinde, die sowohl bei den Damen als auch bei den Herren über ausgezeichnete Stimmen verfügt, die Martin Lehr als musikalischer Leiter zu einem respektablen Klangkörper geformt hat. Das Heidelberger Kantatenorchester und die Solisten kannten manche Besucher bereits von dem großen Auftritt in Lützelsachsen mit dem Oratorium von Carl Loewe. Das Orchester erwies sich auch hier als ein Ensemble mit erstklassigen Musikern, das auch ohne Blechbläser über Brillanz verfügt und in allen Instrumentengruppen auch perfekte Solisten besitzt.
Tempi-Wechsel beherrscht
Den besonderen Glanz erhielt der Konzertabend durch die schönen Stimmen der Solisten. Da war Gabriele Thielitz, die erneut mit einem angenehmen klaren Sopran brillierte. Mit ihrem warmen samtenen Alt überzeugte Kirsten Schwarz, wie auch der lyrische Tenor Christoph Mahla und der sonore Bass Walter Henzels zu den Höhepunkten des Konzerts beitrugen.
„Nach Dir, Herr verlanget mich“ ist eine Kantate, die Textstellen aus dem Psalm 25 und weitere anonyme Textbeiträge enthält. Besondere Größe erreicht der Chor mit den in unterschiedlichen Tempi gestalteten „Leite mich in deiner Wahrheit“. Auch das Sopransolo „Doch bin und bleibe ich vergnügt“ sowie das Terzett mit Alt, Tenor und Bass „Zedern müssen von den Winden oft viel Ungemach empfinden“ sind besondere Glanzpunkte dieser Kantate. Die Kantate „Aus der Tiefe rufe ich, Herr zu Dir“ beginnt indessen mit Chor und Orchester und wechselt die Themen im weiteren Verlauf zwischen Soli (Bass sowie Tenor) und kurzen Chorsätzen, die auf den Segen und die Erlösung Israels Bezug nehmen. Mit zwei Ausnahmen (Bartholomäus Ringwald 1588) sind die zum Vortrag kommenden Texte dem Psalm 130 entnommen.
Bleibendes Geschenk
Die kürzeste Kantate („Der Herr denket an uns“) beginnt mit einer rhythmisch betonten Orchestereinleitung, der einer der schönsten Chorbeiträge mit einer beglückenden polyphonen Klangwelt folgt. Nach einer filigranen Sopranarie („Es segnet, die den Herrn fürchten“) und einem ebenso ansprechenden Duett mit Tenor und Bass („Der Herr segne Euch“) gestalten Chor und Solisten das Finale zu der Botschaft „Ihr seid die gesegneten des Herrn“. Das betont leise „Amen“ als Zeichen der Demut beschließt die Kantate (Texte Psalm 115) und die Konzertfolge.
Martin Lehr bereitete mit diesem Konzert, das er in allen Phasen gestaltend und souverän leitete, den Chören der beiden Kirchengemeinden eine bleibende Erinnerung an das 30-jährige Bestehen und den Besuchern des Konzerts eine wundervolle Begegnung mit dem jungen Bach. Mit Blumen und minutenlangem Beifall klang der Konzertabend aus. h.t.

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