RNZ Bericht: Konzert 2009 "Schöpfung" v. J. Haydn
Rund 160 Sänger und knapp 70 Instrumentalisten präsentierten das Haydn-Oratorium “Die Schöpfung” – Bibel musikalisch aus einem Guss
Bayreuther Festspielstimmung in Weinheim
Weinheim. (keke) Er gilt als Vater der Symphonie, als Erfinder des Streichquartetts und als Erneuerer des Oratoriums. Er verklanglichte die Genesis und schuf selbst einen Kosmos: Am 31. Mai 1809, also vor genau 200 Jahren, starb Joseph Haydn. Mit ein Grund für die Evangelische Singgemeinde an der Lukas- und Markuskirche Weinheim und deren Leiter Martin Lehr, sich mit Haydn und seinem bekanntesten Oratorium “Die Schöpfung” zu befassen.
Wobei am Wochenende sogar fast so etwas wie Bayreuther Festspielstimmung aufkam. Der “Grüne (Schlosspark-)Hügel” stimmte, die fantastische Aufführung mit rund 160 Sängern und knapp 70 Instrumentalisten passte ebenso wie Heidrun Kordes (Sopran), Christian Dietz (Tenor) und Bernhard Adler (Bass) ihren Teil dazu beitrugen, dass das Ganze zu einem Erlebnis wurde. Lediglich der Publikumszuspruch hielt sich zum Leidwesen der Organisatoren in Grenzen. “Um die 1000” mögen es gewesen sein, die das Areal vor der imposanten Bühne bevölkerten. Mit ein Grund: Die unsicheren Wetterverhältnisse dürften viele von einem Besuch abgehalten haben. Das Fazit vorweg: Sie haben Großartiges versäumt.
Denn kaum ein Werk der großen Chorliteratur hinterlässt Aufführende und Zuhörer so froh und glücklich wie Haydns Schöpfungsoratorium. Die heitere Naivität der Schilderungen der sprießenden Natur und der Wunder der geschaffenen Welt, die liebevollen musikalischen Lautmalereien und die majestätische Kraft der ein Dutzend Chöre brachten auch auf der Schlossparkwiese die Seelen aller Beteiligten schnell zum Klingen.
Lehr hatte seine rund 160 Damen und Herren glänzend vorbereitet und schöpfte die Möglichkeiten seiner Laienchöre hervorragend aus. Eindrucksvoll gelang der Forte-Einsatz “Und es ward Licht”, packend das Crescendo in “Der Herr ist groß”. Die Vertonung dieses Zitats aus der Schöpfungsgeschichte gleich zu Beginn gehört sicherlich mit zu den populärsten Passagen der klassischen Musik. Lehr gestaltete daraus eine schwelgerische Ausdrücklichkeit.
Bereits der Eingangschor mit den schroffen Gegensätzen von Dunkel und Licht, von Verzweiflung, Wut und Schrecken und der Hoffnung auf eine von Gott geschaffene neue Welt war mit der gebührenden Dramatik ausgelotet. Kraftvoll und strahlend gerieten die großen Eckchöre, wobei die Durchhörbarkeit dank sauberer Artikulation und gepflegter Diktion stets gewährleistet blieb. Atemberaubend ausdrucksvoll geriet der Einsatz “Im Anfang schuf Gott”, der dem spannungsreich geformten Orchestervorspiel mit Urimpuls und sich langsam ausbreitenden Klangschwaden folgte. Da ist von schäumenden Wellen, leise rauschenden Bächen, Sonnen- und Mondaufgängen die Rede, da bevölkern Adler, Walfische, Löwen, Tiger und Rinder die Erde.
Während die sich durch Präzision und kontrastreiche Dynamik auszeichnenden Chöre die Wunderwerke Gottes mehrheitlich lautstark priesen, nahmen sich deren Schilderung die drei Erzengel Gabriel, Uriel und Raphael an. Christian Dietz mit hell timbriertem, aussagekräftigen Tenor und Bernhard Adler mit tonlicher Ausgewogenheit und leicht geführtem Bass-Bariton lösten ihre Aufgabe stimmlich und gestalterisch souverän, mussten die Krone der Aufführung indes Heidrun Kordes überlassen, welche die Partien des Gabriels und der Eva mit berückendem Liebreiz und silbrigem Sopran ausfüllte. Positiv aufhorchen ließen gleichfalls das Heidelberger Kantatenorchester und das Weinheimer Kammerorchester (Leitung Claus Ehmann), die für ein klar strukturiertes und frei atmendes orchestrales Fundament verantwortlich zeichneten. Juliane Oberst (Mezzosopran) verstärkte den Schlusschor.
Fazit: Bibel musikalisch aus einem Guss und Standing Ovations am Ende einer auf 120 Minuten komprimierten Schöpfungsgeschichte!
