Konzert vom 05.04.09
mit freundlicher Genehmigung der Weinheimer Nachrichten veröffentlichen wir den Bericht vom 07.04.09 zu unserem Konzert. (Foto: Schilling)
Haydn Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze
Mendelssohn Choralkantaten Jesu, meine Freude / Christe, du Lamm Gottes
Geistliches und suggestive Kraft
Seit über zwei Jahrhunderten entfalten “Die Sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze” von Joseph Haydn eine so ungebrochene suggestive Kraft wie nur wenige andere Kompositionen für die Passionszeit. Das war auch am Palmsonntag in der voll besetzten Weinheimer Markuskirche nicht anders, wo die Evangelische Singgemeinde an der Lukas- und Markuskirche das Werk unter der Leitung von Martin Lehr in der Fassung für Oratorium mit dem Heidelberger Kantatenorchester aufführte. Die Solostimmen sangen Gabriele Thielitz, Sopran, Kirsten Schwarz, Alt, Christoph Mahla, Tenor, und Walter Henzel, Bass.
Über die Entstehung des Werkes schrieb Joseph Haydn 1801: “Es sind ungefähr fünfzehn Jahre, dass ich von einem Domherrn in Cadix ersucht wurde, eine Instrumentalmusik auf die sieben letzten Worte Jesu am Kreuze zu verfertigen … Die Aufgabe, sieben Adagio’s, wovon jedes gegen zehn Minuten dauern sollte, aufeinander folgen zu lassen, war keine von den leichtesten, und ich fand bald, dass ich mich an den vorgeschriebenen Zeitraum nicht binden sollte. Die Musik war ursprünglich ohne Text, und in dieser Gestalt ist sie auch gedruckt worden.” So kam es, dass die sieben Sätze, für die Haydn jeweils die Sonatenform wählte und für die er zunächst Fassungen für Orchester und Streichquartett fertigstellte, nur jeweils sieben Minuten dauern. Haydn ergänzte sie um eine Introduktion und um ein kurzes “Terramoto” (tongewaltiges Erdbeben) am Schluss. Er erreichte so ein in sich geschlossenes Werk.
Die von Haydn kompositorisch genial ausgeführte, zudem leicht verständlich gelöste Aufgabe des Domherrn aus dem äußersten Süden Spaniens erwies sich als so publikumswirksam, dass sie sich innerhalb weniger Jahre in ganz Europa verbreitete und bald auch eine Fassung mit Vokalstimmen notwendig machte. Haydn lieferte dieses Oratorium mit nachträglich zugefügtem Vokaltext in der jetzt auch in der Markuskirche verwendeten Form im Jahr 1801 nach.
Die Aufführung in der Markuskirche bewies gründliche Einstudierung. Das Kantatenorchester aus Heidelberg und der stimmgewaltige, erhöht hinter dem Orchester postierte Chor wirkten reibungslos zusammen.
Die vor dem Orchester platzieren Solisten, von dem straff und überaus engagiert leitenden Martin Lehr sehr aufmerksam geführt, fügten sich präzise ein. Insgesamt ergab sich so eine Leistung auf bemerkenswert hohem Niveau.
Auch für das “Rahmenprogramm” aus zwei Choralbearbeitungen von Felix Mendelssohn Bartholdy trifft das zu. Das zu Konzertbeginn von Chor und Orchester vorgetragene “Christe, du Lamm Gottes” schloss Mendelssohn 1827 als Achtzehnjähriger ab, die am Schluss musizierte Bearbeitung der ersten Strophe des Liedes “Jesu, meine Freude” stammt aus dem folgenden Jahr. Die Idee, diese an Klangfarben und Gestaltungsvielfalt reichen geistlichen Werke des jungen Mendelssohn Haydns Schwergewicht in der Musik für die Passionszeit gegenüberzustellen, brachte wohltuende Abwechslung in das Programm und verdient Anerkennung, wenn auch nicht nur aus diesem Grund. Der Beifall hielt etliche Minuten an.
mi
