WN Bericht: Konzert 2009 "Schöpfung" v. J. Haydn

Weinheimer Nachrichten: 27.07.2009
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Fast 250 Mitwirkende brachten Haydns “Schöpfung” zu Gehör, dirigiert wurde das Ensemble vom Martin Lehr. Das Publikum erlebte an diesem Abend einen äußerst disziplinierten Chor, der dieses bedeutende Werk mit Geist erfüllte.

Immer im Geiste des Komponisten

Weinheim. (h.t.) In der Bilanz des Weinheimer Kultursommers wird die Freilicht-Aufführung “Die Schöpfung” von Joseph Haydn als besonderes musikalisches Ereignis festgehalten werden. Auch wenn – vermutlich wegen des unbeständigen Wetters – einige Stuhlreihen leer geblieben sind, ändert dies nichts an dem großen Erfolg des Abends, an dem ein Verbund von Musikern und Sängern aus der Region von Martin Lehr zu einem außergewöhnlichen Erfolg geführt wurde.
An der Aufführung der Evangelischen Singgemeinde an der Lukas- und Markuskirche Weinheim wirkten als Solisten Heidrun Kordes (Sopran), Juliane Oberst (Mezzosopran), Christian Dietz (Tenor) und Bernhard Adler (Bass) mit. Das Orchester setzte sich zusammen aus dem Heidelberger Kantatenorchester und dem Weinheimer Kammerorchester (Leitung Claus Ehmann). Der nahezu 100 Sängerinnen und Sänger umfassende Chor bestand aus der Evangelischen Singgemeinde an der Lukas- und Markuskirche Weinheim, dem Weinheimer Kammerchor und Schulchor des Werner Heisenberg-Gymnasiums (Leitung Juliane Oberst) sowie aus Mitgliedern mehrerer evangelischer Kirchenchöre der Region. Die Gesamtleitung hatte Martin Lehr.
Die Sopranistin Heidrun Kordes sang die Partie des Erzengels Gabriel und im dritten Teil den Part der Eva. Der Tenor Christian Dietz war als Erzengel Uriel zu hören und der Bassist Bernhard Adler wurde nach seinen Szenen als Erzengel Raphael im letzten Teill Evas Gefährte Adam. Die Erzengel sind die “Erzähler” des Geschehens, das von Orchester, Chor und Arien vermittelt wird.
Schon der packende Auftakt des Orchesters im Stil einer Ouvertüre mit der Schilderung des Chaos in dunklen, beklemmenden Moll-Strecken und dann die Befreiung nach dem Rezitativ “Am Anfang schuf Gott” in strahlenden Dur-Akkorden, zeigte die Größe dieses Oratoriums auf. Zwischen den Rezitativen der Erzengel prägen Orchester, Chor und Arien der Solisten die Schöpfungstage. Am zweiten Schöpfungstag wird der Orchesterpart zum Tongemälde mit Blitz, Donner, gewaltigen Stürmen aber auch mit erquickendem Regen und flockigem Schnee. Auch die “Erschaffung des Erdengetiers” stellt das Orchester vor große Gestaltungsthemen: Der brüllende Löwe, der gelenkige Tiger, der schnellfüßige Hirsch – alle werden vom Orchester mit steilen Streicherfiguren und Stakkato-Sprüngen musikalisch porträtiert. “Die Himmel erzählen die Ehre Gottes” war schon der erste große Höhepunkt des Chors, der auch mit den Szenen “Vollendet ist das große Werk” sowie “Singet dem Herrn alle Stimmen” eine überragende Leistung bewies und auch an der Seite der Solisten bei ihren Arien musikalische Größe bewies.
Bei der Arie Uriels “Nun schwanden vor dem heiligen Strahle” und “Mit Würde und Hoheit angetan” kam der lyrische Tenor von Christian Dietz angenehm zur Geltung. Mit sonorem Bass sang Bernhard Adler “Rollend in schäumenden Wogen bewegt” und “Nun scheint in vollem Glanze”.
Ein großer Gewinn für die Aufführung war auch Heidrun Kordes, deren tragender Sopran unter anderem bei den Arien “Nun beut die Flur das frische Grün…” und “Auf starkem Fittiche schwinget sich…” auch schwierige Koloraturen spielend meisterte. Natürlich waren die Terzette und Duette der Solisten besondere Höhepunkte des Oratoriums, so bei “In holder Anmut steh’n mit jungem Grün geschmückt” und vor allem im dritten Teil, der zu einem großen Teil aus Duetten mit gegenseitiger Liebesbekundung zwischen Adam (Bass) und Eva (Sopran) besteht und im Schluss-Chor noch einmal Eva (Sopran), Adam (Bass), Erzengel Gabriel (Tenor) gemeinsam mit der Altistin Juliane Oberst bei dem Jubel “Singet dem Herrn alle Stimmen” vereint.
Bei dem Orchester überraschte die atemberaubende Perfektion, an manchen Stellen stark kontrastierend, dann wieder anmutig, jedoch immer im Geist des Komponisten. Besonderes Lob auch den exzellenten Instrumentalsolisten. Bei dem mächtigen Chor merkte man die profilscharfe Einstudierung, mit dem das Wechselspiel musikalischer Farbgestaltung gelang. Das Publikum erlebte einen äußerst disziplinierten Chor. Bei den Solisten überraschte Heidrun Kordes mit einem großen Sopran, strahlender Tongestaltung auch bei Spitzentönen und schwierigen Koloraturen. Mit dem Schmelz eines lyrischen Tenors und absoluter Höhensicherheit war Christian Dietz am Erfolg beteiligt. Kraftvoll im Ausdruck und doch wunderbar leicht erlebte man den Bassisten Bernhard Adler, der als Bass-Bariton auch sonore Tiefe erreichte. Martin Lehr hat dieses große Ensemble präzise und elegant dirigiert, dieses bedeutende Werk mit Geist erfüllt und das Oratorium in dieser kooperativen Besetzung zu einem großen Erlebnis gestaltet. Welch positives Echo dieser Abend fand, zeigte sich an dem langen Beifall auf der Schlossparkwiese.

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